Wasser für den Winkel

Ausgetrocknete Auen prägen vielfach die Lippeaue auch im Kreis Soest. Die Stiftung Natur im Kreis Soest setzt sich für die Verbesserung des Wasserhaushaltes in der Lippeaue ein. In diesem Projekt konnte ein Auenbereich westlich von Lippborg, der Winkel, entsprechend entwickelt werden.

Der Wasserhaushalt einer Aue wird bestimmt durch den

a) Niederschlag, der unmittelbar auf der Fläche niedergeht, 

b) Hochwasser; bei hohen Abflüssen in der Lippe tritt sie über die Ufer und füllt die Auenflächen. Hochwässer treten v.a. im Winter und zeitigen Frühjahr auf.

c) Wasser aus dem Einzugsgebiet; außerhalb der Hochwasserzeiten bestimmt v.a. das Wasser aus dem Einzugsgebiet den Wasserhaushalt der Lippeaue. Vielfach wurde die Einzugsgebiete zu besseren Bewirtschaftung der Flächen von der Aue entkoppelt durch Entwässerungsgräben am Auenrand oder Ausbau bzw. Umlenkung kleiner Fließgewässer.

Der 12 ha große Auenraum "Im Winkel" befindet sich im Eigentum der NRW-Stiftung. Dem Feuchtgebiet mit Seggenried, Auwaldstrukturen und einem großen Teich mangelt es an Wasser. Um den Wasserhaushalt nachhaltig zu verbessern, sollte ein kleines Gewässer, das wir Vellinghauser Bach getauft haben, mit einem Einzugsgebiet von 1,3 km2 in die Aue des Winkels geführt werden. Hierzu mussten einige recht aufwändige Maßnahmen ergriffen werden:

- Erwerb einer Fläche, über die der Vellingauser Bach in die Lippeaue gelenkt wird; hierfür erhielten wir eine 90%ige Förderung durch das Land NRW und der EU (ELER-Förderung), ein Eigenanteil von 10 % der Kosten musste von der Stiftung aufgebracht werden. Das Dezernat 33 (Bodenordnung) der Bezirksregierung Arnsberg unterstützte uns beim Erwerb.

- eine wasserrechliche Genehmigung und die Zustimmung des Sportfischereivereins Lippborg, der sein Grundstück für die Querung des neuen Wasserlaufs zur Verfügung stellte;

- In der neu erworbenen Fläche wurde ein neues Gerinne hergestellt, die alte Bachführung wurde verschlossen.

- Für das neue Gewässer wurde eine neue Kreuzung unter dem Postweg erforderlich.

- Der neue Gewässerverlauf musste über einen Talentwässerungsgraben geführt werden.

- Der vorhandene Talentwässerungsgraben mündete über eine 20 m lange Verrohrung in den Haakt-Altarm. Die Mündung des Entwässerungsgrabens wurde verlegt, so dass sie für Fische durchgängig gestaltet werden konnte.

Die Kosten für die Umsetzung der Baumaßnahmen (ohne Flächenerwerb) betrugen 84.999,22 €. Die NRW-Stiftung förderte die Arbeiten mit 76.000 €, die Stiftung Natur im Kreis Soest trug die restlichen Kosten in Höhe von 8.999,22 €.

Präsident der NRW-Stiftung Eckhard Uhlenberg überreichte am 11. April 2023 die Förderurkunde an Joachim Drüke, den Vorsitzenden der Stiftung Natur im Kreis Soest. Neben dem Vorsitzenden Joachim Drüke war der gesamte Vorstand der Stiftung Natur im Kreis Soest anwesend. Die NRW-Stiftung war mit dem Präsidenten Eckhard Uhlenberg und der Regionalbotschafterin Angelika Hummelsheim vertreten. Auch bei der Presse fand die Übergabe des Förderbescheides großes Interesse.

Die NRW-Stiftung: "Die Renaturierung von Flüssen ist der NRW-Stiftung ein großes Anliegen“, betont Eckhard Uhlenberg. „Deshalb unterstützen wir die Umgestaltung der Lippeaue zwischen Hamm und Lippstadt schon seit Jahren.“

Am 12.12.2024 konnte die Maßnahme eingeweiht werden. Mit dabei waren neben vielen Gästen die NRW-Stiftung mit Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung, Joachim Drüke, Vorsitzender der Stiftung Natur im Kreis Soest, Frank Röggener, Vorsitzender der Lippe-Fischereigenossenschaft Lippborg und Achim Berger, Planungsbüro Berger, das die Umsetzung der Arbeiten geplant und begleitet hat. Mit Unterstützung eines Baggers der Firma Schulte, die die Baumaßnahmen umgesetzt hat, wurde der bisherige Verlauf des Gewässers verstopft und das Wasser in den neu hergestellten Lauf umgeleitet. 

Von dem Projekt profitieren die im Winkel wachsenden Seggenrieder und eine Auwaldfläche, Vogelarten, die hier ihr Brutgebiet haben, zum Beispiel Knäkente, Zwergtaucher, Wasserralle, Tüpfelsumpfhuhn und Bekassine sowie Fische, die sich in den überschwemmten Flächen fortpflanzen können. Das Feuchtgebiet wird auch für Besucherinnen und Besucher der nahen Raststation an der Römer-Lippe-Route mit ihrer Beobachtungshütte deutlich attraktiver.